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Wochenmärkte sind ein Stück Kultur

Freitag, 12 Uhr auf dem Verdener Wochenmarkt am Käsestand Beddies. " Der Obatzter ist leider alle, ich kann Ihnen aber etwas Ähnliches empfehlen..." höre ich von der Käsefachfrau Christina Lindhorst, Tochter des Inhabers. Schade, der Obatzter, eine pikante Käsecreme gehört auch zu meinen Standardeinkäufen. Aber, wie immer, liegt Frau Lindhorst mit ihrem Alternativvorschlag goldrichtig.

Ich gehe gerne und regelmäßig auf die Verdener Wochenmärkte, dienstags, freitags und samstags. Klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas pathetisch. Aber die Marktstände mit ihrem ganz unterschiedlichen Angeboten, insbesondere aber auch die Menschen in den Ständen, sind kleine Leuchttürme unserer Innenstadt. Hier nur einige Beispiele, ich würde gerne alle Marktstände beschreiben, aber leider reicht der Platz dieses Verdener Gespräches dafür nicht aus. Seit über 50 Jahren lebt der Soltauer Horst-Dieter Beddies "Käse". Bei Beddies gibt es handwerklich hergestellte Produkte von höchster Qualität, häufig Rohmilchkäse, vielfach verfeinert und mit zahlreichen Auszeichnungen versehen. Renner in Verden sind beispielsweise die Soltauer Bergkäse, der Obatzter oder jetzt im Sommer der Mozzarella. Gourmets pilgern für die "Beddieskäse" nach Soltau heißt es in einer Zeitung - freitags ist er auf unserem Wochenmarkt.

Fürs Wochenende brauche ich noch ein Hähnchen vom Geflügelhof Pillmann aus Rotenburg. Seit 1953 steht die Familie des Rotenburgers Markus Pillmann mit frischem Geflügel, Geflügelwurstwaren und Eiern auf unseren Märkten. Saisonal gibt es Puten, Gänse und Enten. 99 % seiner Kunden sind Stammkunden, so auch ich. Ich bin immer wieder verwundert, was man so alles aus einem Hähnchen zaubern kann. Neben Pillmann hat der Gärtnermeisterhändler Eike Hahn aus Achim seinen Stand. Überwiegend aus eigenem Anbau sind es jetzt besonders Sommerblumen wie Zinnien, Malven und dann Astern, selbstgezogene Gemüsepflanzen, beispielsweise 21 seltene Tomatenarten, Zucchini und Kürbis. Blumen und Pflanzen aus der Region Verden, das finde ich Klasse! Seit einigen Jahren hat der Darverdener Fleischermeister Jörn Gerwinat seinen Fleisch- und Wurstwarenstand auf dem Verdener Samstagsmarkt. Chefin im Verkaufswagen ist seit mehr als 10 Jahren Gaby Burmeister. Eine Verkaufskanone mit viel Humor, die mir auch schon mal fachkundig Tipps gibt, wie ich einen kräftigen Wintergemüse-/Fleischeintopf zubereiten sollte, oder saisonale und regionale Besonderheiten empfiehlt. Schwerpunkt beim Fleischer Gerwinat, Familienbetrieb in dritter Generation (die vierte beginnt im August mit einer Schlachterlehre), sind mehr als 200 regionale Hausmacherwurstwaren und Salate So viel wie möglich produziert er selbst. Seine Vollkonserven sind ein Renner, den Labskaus, die Eintöpfe schätzen seine Kunden, wenn es mal schnell gehen muss.

Auch aus politischer Überzeugung: Bio ist erste Wahl für Jürgen Hamelmann und Anne Emde, die ihren Stand bereits in zweiter Generation (seit 1948!) betreiben. Sie gehören zu den Pionieren des Bioanbaus im Landkreis Verden. Bioland zertifiziert sind sie bereits seit 1984. Neben selbst angebautem Obst und Gemüse haben sie durch Zusammenarbeit mit anderen in den letzten Jahrzehnten ihr Sortiment verbreitert, so dass es ganzjährig ein breites, vielfältiges Bioangebot an Gemüse und Obst auf unseren Wochenmärkten gibt. Saison haben jetzt die Blaubeeren aus eigener Plantage und die zahlreichen leckeren Tomatensorten. Rolandt Arndt, Imker, Eier- und Kartoffelhändler aus Hönisch, ist auch schon seit 1992 immer mit einem flotten Spruch auf den Wochenmärkten unserer Stadt vertreten. Leyla ist sein Kartoffelfavorit. Beim selbst produzierten Honig sind u. a. die Frühtracht, der Rapshonig und der Heidehonig die Renner des Imkers.

Seit 2001 vertrete ich meine Fraktion im Marktausschuss. Unsere Wochenmärkte sind mir als Kunde, aber auch als Kommunalpolitiker sehr wichtig. Sie gehören zu einer lebendigen, attraktiven Innenstadt. Die Verdener Wochenmärkte, älter als 100 Jahre, sind für mich auch ein Stück Kultur unserer traditionsreichen Stadt. Diese Kultur möchte ich erhalten, auch im Interesse der Innenstadtbewohner, für die die Wochenmärkte mittlerweile Nahversorgerfunktionen übernommen haben. Natürlich müssen sich unsere Wochenmärkte auch Veränderungen stellen. Liebe VAZ-Leserin, lieber VAZ-Leser, vielleicht haben Sie Vorschläge, ich freue mich über Ihre Anregungen und Kritik - gerne auf unseren Wochenmärkten, aber auch per mail (jweidemann@hotmail.com) oder telefonisch (68646).

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